Ratgeber Import 28 Oktober 2026 · 10 Minuten Lesezeit

Auto aus den USA importieren: Was Sie in Deutschland wissen müssen

Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, TÜV-Abnahme und Zulassung. Und warum die Vorgeschichte des Autos auf dem Weg über den Atlantik verloren gehen kann.

Der MrVIN-Bär mit Klemmbrett beobachtet, wie ein BMW 3er im Hafen aus einem Seecontainer rollt

Ein Auto aus den USA wirkt oft wie ein Schnäppchen: große Auswahl, niedrige Auktionspreise, Modelle, die es hier kaum gibt. Der Preis auf der Auktion ist aber nur der Anfang. Bis das Auto ein deutsches Kennzeichen trägt, kommen Zoll, Steuer, Umbau und Prüfung dazu. Und oft eine Vorgeschichte, die niemand erwähnt.

Dieser Ratgeber zeigt, was ein privater Import 2026 wirklich kostet, welche Schritte nötig sind und worauf Sie achten sollten, bevor Sie bieten.

Auf einen Blick

  • Auf Gebrauchtwagen aus den USA fallen 10 % Zoll und 19 % Einfuhrumsatzsteuer an. Seit dem 1. Juli 2026 kann der Zoll für in den USA gebaute Autos auf 0 % sinken, der Nachweis ist aber schwierig.
  • Eine Zulassungssteuer gibt es in Deutschland nicht. Die großen Kosten liegen im Umbau und in der Einzelabnahme nach §21 StVZO.
  • Ohne Reifendruckkontrolle gibt es laut TÜV keine Betriebserlaubnis. Klären Sie die Machbarkeit vor dem Kauf.
  • Deutschland erfasst US-Salvage-Titel weder bei der Einfuhr noch bei der Zulassung. Ein reparierter Unfallwagen bekommt dieselben Papiere wie ein unfallfreies Auto.
10 %Zoll, oder 0 % für nachweislich in den USA gebaute Autos
19 %Einfuhrumsatzsteuer auf Wert und Zoll
18 Monatedarf das §21-Gutachten bei der Zulassung höchstens alt sein

Direkt zu: Fahrzeughistorie prüfen·Kostenbeispiel·12 Länder vergleichen

Der MrVIN-Bär prüft mit einer Lupe den Motorraum eines BMW 3er

Was hat er in den USA erlebt?

Ist das Auto hier erst zugelassen, lässt sich seine US-Vergangenheit leicht verstecken. Die FIN zeigt sie trotzdem: Auktionsfotos, Schäden und Title-Vermerke.

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Zoll und Steuern: was beim Import fällig wird

Grundlage ist der Zollwert. Das ist der Kaufpreis plus Transport und Versicherung bis zur EU-Grenze. Darauf erhebt der Zoll bei Pkw normalerweise 10 % Zoll. Auf Zollwert und Zoll zusammen kommen 19 % Einfuhrumsatzsteuer. Als Privatperson können Sie diese Steuer nicht zurückholen.

Neu seit dem 1. Juli 2026: Die EU-Verordnung 2026/1455 senkt den Zoll auf Waren mit Ursprung in den USA auf 0 %, vorerst bis Ende 2029. Pkw sind davon erfasst. Entscheidend ist aber, wo das Auto gebaut wurde, nicht wo Sie es gekauft haben. Für einen Toyota aus Japan oder ein Modell aus Mexiko fallen weiterhin 10 % Zoll an, auch wenn es in Kalifornien versteigert wurde.

Für die 0 % müssen Sie den US-Ursprung belegen und nachweisen, dass das Auto direkt aus den USA kam. Ein Aufkleber "Made in USA" oder ein Satz auf der Rechnung reicht laut EU-Kommission nicht. Bei gebrauchten Auktionsautos fehlt solcher Nachweis oft. Einzelne Zollagenten berichten, dass die 0 % bei Gebrauchtwagen in der Praxis bisher kaum durchgehen. Rechnen Sie deshalb mit 10 % und betrachten Sie die 0 % als möglichen Bonus.

Ein erster Hinweis steht in der Fahrgestellnummer: Beginnt sie mit 1, 4 oder 5, wurde das Auto meist in den USA gebaut. Das ist aber nur ein Filter, kein Nachweis.

Eine Zulassungssteuer wie in den Niederlanden gibt es in Deutschland nicht. Danach zahlen Sie nur die jährliche Kfz-Steuer, die sich nach Hubraum und CO2-Ausstoß richtet. Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt und im Originalzustand sind, können als Sammlerstück mit 0 % Zoll und 7 % Einfuhrumsatzsteuer eingeführt werden. Das entscheidet das Hauptzollamt.

Kostenbeispiel: eine Limousine von 2018

Angenommen, Sie ersteigern eine Limousine von 2018 mit 2,0-Liter-Benziner für 12.000 US-Dollar und zahlen 1.800 US-Dollar für den Transport nach Bremerhaven. Bei einem Kurs von 0,86 Euro pro Dollar sieht die Rechnung beim Zoll so aus:

Zollwert (Kaufpreis plus Transport) 11.868 €
Zoll 10 % 1.187 €
Einfuhrumsatzsteuer 19 % auf Zollwert und Zoll 2.480 €
Abgaben beim Zoll 3.667 €
Mit anerkanntem US-Ursprung (0 % Zoll) 2.255 €

Der Zoll rechnet mit seinem monatlichen Umrechnungskurs. Nicht enthalten sind Auktionsgebühren, der Transport in den USA, Hafen- und Agenturkosten, Umbau, Abnahme, Zulassung und Versicherung. Der ADAC schätzt die gesamten Importkosten auf gut ein Drittel des Nettopreises.

Ankunft und Verzollung

Autos aus den USA kommen meist in Bremerhaven oder Hamburg an. Von der Ostküste dauert die Überfahrt etwa 10 Tage, von der Westküste etwa 20. Verzollt wird beim ersten Zollamt in der EU, oder das Auto fährt unter Zollaufsicht weiter und wird am Zollamt in Ihrer Nähe abgefertigt.

Umbau und TÜV-Abnahme nach §21 StVZO

Ein US-Auto hat keine EU-Übereinstimmungsbescheinigung. Es braucht deshalb eine Einzelbetriebserlaubnis nach §21 StVZO. Das Gutachten dafür erstellen nur anerkannte Prüfer von TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS. Bei der Zulassung darf es höchstens 18 Monate alt sein.

Dazu kommt das Abgasgutachten. Für die meisten US-Modelle sind die EU-Abgasregeln kein unüberwindbares Hindernis, aber ohne vorhandene Unterlagen kann eine neue Messung teuer werden. Der dabei festgelegte CO2-Wert bestimmt später auch Ihre Kfz-Steuer.

Offizielle Preise gibt es nicht. Nach Angaben von Anbietern kostet die §21-Abnahme allein etwa 150 bis 500 Euro, ein Datenblatt 150 bis 350 Euro und ein kompletter US-Umbau 1.000 bis 3.000 Euro. Holen Sie vor dem Kauf ein Angebot ein.

WichtigManche Vorschriften hängen vom Datum ab, etwa Reifendruckkontrolle oder eCall. Fragen Sie den Prüfer vor dem Kauf, ob genau dieses Modell zulassungsfähig ist. Sonst kann ein günstiges Auto zum teuren Standzeug werden.

Salvage, Rebuilt, Flood: die Geschichte verschwindet

Viele günstige US-Autos haben einen Salvage-, Rebuilt- oder Flood-Title. Sie wurden also schon einmal von einer Versicherung als Totalschaden abgeschrieben oder standen im Wasser.

In Deutschland ist das kein Hindernis für die Zulassung. Die Bundesregierung hat im Oktober 2025 bestätigt, dass Salvage-Titel weder bei der Einfuhr noch bei der Zulassung erfasst werden. Besteht das Auto §21 und Hauptuntersuchung, bekommt es dieselben deutschen Papiere wie ein unfallfreies Fahrzeug. Der Vermerk aus den USA taucht im deutschen Fahrzeugschein nicht auf.

Das hat zwei Folgen. Der Prüfer kontrolliert die Verkehrssicherheit am Prüftag: Rahmen, Airbags, Licht, Bremsen. Wie gut repariert wurde, sieht er nicht. Bei Flutschäden zeigen sich Probleme an der Elektrik oft erst Monate später. Und wer das Auto später in Deutschland gebraucht kauft, erfährt aus den Papieren nichts von der Vorgeschichte.

Aus dem deutschen Fahrzeugschein erfahren Sie nicht, dass ein Auto in den USA ein Totalschaden war.

Deshalb ist Schritt 2 so wichtig: Die US-Historie prüfen Sie vor dem Gebot, nicht danach. Behalten Sie außerdem die Auktionsrechnung, denn bei sehr niedrigen Preisen schaut der Zoll genauer hin.

Unser Ratgeber zur Historienprüfung bei importierten Autos zeigt, was beim Grenzübertritt noch verloren gehen kann.

Schritt für Schritt: vom Inserat bis in die Einfahrt

So läuft ein Import in der Praxis ab. Die Zeitangaben sind Richtwerte, keine amtlichen Fristen. Rechnen Sie für den ganzen Weg grob mit sechs bis zehn Wochen.

  1. Budget festlegen und Auto auswählen

    vor dem Kauf

    Rechnen Sie zum Auktionspreis rund ein Drittel für Transport, Zoll, Steuer und Umbau dazu. Bevorzugen Sie Modelle, die es auch in Europa gab: Für sie gibt es oft schon ein Datenblatt, das die TÜV-Abnahme günstiger macht.

  2. Die Fahrgestellnummer prüfen

    vor dem Gebot

    Lassen Sie sich die VIN geben und prüfen Sie die US-Vorgeschichte, bevor Sie bieten:

    • Title-Vermerke wie Salvage, Rebuilt oder Flood,
    • Auktionsfotos und Schadensmeldungen,
    • Kilometerstände über die Jahre,
    • das Herstellungsland. Beginnt die VIN mit 1, 4 oder 5, ist ein US-Ursprung für die 0 % möglich.
  3. Machbarkeit mit dem Prüfer klären

    vor dem Gebot

    Schicken Sie TÜV oder DEKRA Modell, Baujahr und Ausstattung und fragen Sie, ob das Auto nach §21 zulassungsfähig ist und welche Umbauten nötig sind. Achten Sie besonders auf Reifendruckkontrolle und andere Vorschriften, die vom Datum abhängen. Ein Nein an dieser Stelle spart Ihnen tausende Euro.

  4. Bieten und kaufen

    Auktionstag

    Setzen Sie Ihr Höchstgebot mit allen Gebühren, nicht nur mit dem Hammerpreis. Bezahlen Sie nur, wenn ein originaler Certificate of Title übergeben wird, und bestehen Sie auf eine Lien Release, falls noch eine Bank eingetragen ist. Bewahren Sie Rechnung und Kaufbeleg sorgfältig auf.

  5. Transport zum Hafen und Verschiffung

    1 bis 4 Wochen

    Ein Spediteur holt das Auto ab, bringt es zum US-Hafen und meldet die Ausfuhr an. Title und Kopien müssen mindestens drei Tage vor Abfahrt beim US-Zoll liegen. Die Überfahrt nach Bremerhaven oder Hamburg dauert etwa 10 Tage von der Ostküste und 20 Tage von der Westküste.

  6. Verzollung im Hafen

    nach Ankunft

    Sie oder Ihr Spediteur melden das Auto beim Zoll an. Fällig werden 10 % Zoll, bei nachgewiesenem US-Ursprung 0 %, plus 19 % Einfuhrumsatzsteuer. Danach erhalten Sie die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Zolls. Ohne sie gibt es keine Zulassung.

  7. Vom Hafen in die Werkstatt

    nach der Verzollung

    Ohne §21-Gutachten bekommen Sie kein Kurzzeitkennzeichen. Planen Sie deshalb einen Autotransporter zur Werkstatt oder zum Prüfer ein.

  8. Umbau auf EU-Standard

    meist 1 bis 3 Wochen

    Die Werkstatt baut um, was der Prüfer verlangt hat:

    • gelbe Blinker hinten,
    • Nebelschlussleuchte mit Kontrollleuchte,
    • Scheinwerfer mit E-Prüfzeichen,
    • Tachoanzeige in km/h,
    • bei Bedarf Reifendruckkontrolle.

    Fehlt das Abgasgutachten, wird jetzt auch die Abgasmessung organisiert.

  9. §21-Abnahme und Hauptuntersuchung

    1 Termin

    Der Prüfer erstellt das §21-Gutachten mit Datenblatt und macht meist gleich die Hauptuntersuchung. Hier wird auch der CO2-Wert festgelegt, der später die Kfz-Steuer bestimmt. Das Gutachten gilt für die Zulassung höchstens 18 Monate.

  10. Versicherung abschließen

    1 Tag

    Mit Fahrgestellnummer und Gutachten bekommen Sie bei Ihrer Versicherung eine eVB-Nummer. Halten Sie für die Kfz-Steuer ein deutsches Bankkonto bereit, denn sie wird per Lastschrift eingezogen.

  11. Zulassung

    1 Termin

    Bringen Sie zur Zulassungsstelle im Original mit:

    • Ausweis mit Meldeadresse und eVB-Nummer,
    • Unbedenklichkeitsbescheinigung des Zolls,
    • §21-Gutachten, Datenblatt und gültige HU,
    • US-Title und Kaufvertrag,
    • ein SEPA-Mandat für die Kfz-Steuer.

    Machen Sie vorher Kopien vom Title, denn er bleibt möglicherweise bei der Behörde. Ob eine Übersetzung nötig ist, entscheidet die jeweilige Stelle. Die Gebühr beginnt bei 34,70 Euro, die Kennzeichen kommen vom Schilderprägedienst.

  12. Kennzeichen anbringen und losfahren

    geschafft

    Mit den Kennzeichen und der Zulassungsbescheinigung dürfen Sie fahren. Heben Sie alle Unterlagen aus den USA auf. Wenn Sie das Auto später verkaufen, ist die dokumentierte Vorgeschichte ein Argument für ehrliche Käufer.

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Gut zu wissen

  • Verzollen für andere Länder: Bremerhaven ist ein Haupttor für US-Autos in die EU. Viele Käufer aus Polen oder Litauen verzollen hier und zahlen die deutschen 19 % statt der Steuer zu Hause. Zugelassen wird dann im Heimatland.
  • Garantie: Die deutschen Tochterfirmen der US-Hersteller geben auf Fahrzeuge für den US-Markt in der Regel keine Garantie.
  • US-Sales-Tax: Sie lässt sich nach der Ausfuhr manchmal zurückholen.
  • Elektroautos: Reine E-Autos mit Erstzulassung bis Ende 2030 sind bis zu zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, längstens bis Ende 2035.
  • Lieber in der EU kaufen? Ein Auto aus der EU kostet an der Grenze weder Zoll noch Einfuhrumsatzsteuer. Nationale Steuern und Zulassungskosten fallen trotzdem an. Unser Ratgeber zum Autokauf auf Auktionen in Deutschland erklärt diesen Weg.

Import aus den USA in ein anderes Land?

Der Zoll ist in der ganzen EU gleich. Mehrwertsteuer, Zulassungssteuer und Abnahmeregeln sind es nicht. Wählen Sie ein Land, um den passenden Ratgeber zu lesen.

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Häufige Fragen

Wie viel Zoll zahle ich auf ein Auto aus den USA?

Normalerweise 10 % auf Kaufpreis plus Transport bis zur EU. Für Autos, die nachweislich in den USA gebaut wurden, kann der Zoll seit dem 1. Juli 2026 auf 0 % sinken. Dazu kommen immer 19 % Einfuhrumsatzsteuer.

Gibt es in Deutschland eine Zulassungssteuer für Importautos?

Nein. Sie zahlen nur Zoll und Einfuhrumsatzsteuer beim Import und danach die jährliche Kfz-Steuer.

Kann ich ein Auto mit Salvage-Title zulassen?

Ja, wenn es die §21-Abnahme und die Hauptuntersuchung besteht. Deutschland erfasst den US-Vermerk nicht. Prüfen Sie die Vorgeschichte deshalb vor dem Kauf selbst.

Welche Umbauten braucht ein US-Auto?

Meist gelbe Blinker hinten, eine Nebelschlussleuchte, Scheinwerfer mit E-Prüfzeichen und eine Tachoanzeige in km/h. Ohne Reifendruckkontrolle gibt es laut TÜV keine Betriebserlaubnis.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Kostenangaben für Umbau und Abnahme stammen von Anbietern, nicht von amtlichen Stellen.

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